Wenn der
Augenblick
sich langsam um den Zufall rankt
und Zärtlichkeit in Stahlbeton
ihr Recht verlangt,
Wenn tausend dirigierende
Tambour -Majore titillieren
Im brausenden Rondell der Ignoranz.
Wenn launische Lakaien in Mor
phin getränkt ertnacht,
Des Morgens zarte Einsamkeit
gar hämisch ausgelacht.
Wenn Falter Honig trunken
ihre Schwingen abmontieren
Ja dann, dann wird es heller,
doch nicht ganz
Wenn Worte tänzeln in
verschnörkelt reicher Eleganz
Sich winden unter Nichtigkeit
ba nalen Palmeglanz
Wenn Wortmagie sich in der
Elfenbeinfabrik Verkriecht,
ja dann, dann wird es heller,
doch nicht ganz.
Wenn Lüstern der Satyr farsonnen
seine Zähne bläckt
Und Karl vor Grab die Obrigkeit,
sie ihre Wunden leckt
Wenn kä serliche Unzucht Kä
fer um den Ablass wäscht
Im plöschernen Exil der Nostalgie
Un d wenn der Weltschmerz
sich in seinem eigenen
Spiegelbild verdinkt
Und Rilke Doppelseitig in der
Zirkuskuppel springt
Dann lädt die Epochät
den Ausfahrkauf zum Stellig ein
Der Charlatan stellt
den Genie ein Bein.
Wenn Worte tänzen in
verschnürtelter Rei cheleganz,
sich winden um der Richtigkeit
banalen Palmi -Glanz.
Wenn Wortmagie sich in
der Elfenbeinfabrik verkriecht,
Ja, dann, dann wird es heller,
diesmal ganz.
Gott denkt in den Genies,
er träumt in den Dichtern
und er schläft in den übrigen Menschen.
SWR 2021