Liebe Hermine, wie geht es dir?
Mir geht es so gut wie nie.
Und den Kindern erst.
Unser Klaus zum Beispiel ist
Berufssoldat. Ein Engel.
Trägt eine Korthose,
links ein Ei, rechts ein Ei.
Zwo, drei, vier.
Schätz dir immer.
Wirklich sagenhaft.
Er war unlängst ein halbes
Jahr in Südafrika
un d hat ein Mädchen mitgebracht,
zwar eine Negerin,
aber sagenhaft.
Und zu unserer Überraschung
waren ihre Händchen auf der Innenseite weiß,
ist das nicht irre?
Und trinkt Tee,
und wir hatten schon literweise
Kakao eingekauft.
Prächtiges Gebiss.
Wir gebrauchen es regelmäßig
für Coca -Cola -Flaschen.
So fantastisch.
Und dann, liebe Hermine,
unsere Anneliese ist
auch was Anständiges geworden.
Sie wohnt zusammen mit einer Else,
tut allerlei Dinge für Amnesty International,
schreibt wie die wilden Karten
an Typen in Prisons,
kriegen natürlich nie ein Answer back
und versuchen ein Kind zu adoptieren,
was Gott sei Dank nicht klappt.
Und als Alternative haben sie jetzt einen Hund gekauft,
so einen kleinen,
was man im Volksmund ganz banal
einen Klitoris -Schnalzer nennt.
Unheimlich lieb,
wenn man unter den Uhu schmiert,
ist gleich die Hausarbeit gefixt.
Ist das nicht fantastisch?
Und dann unser Jan.
Mit dem war es etwas komplizierter.
Schon während meiner Schwangerschaft.
Bei der Entbindung kam erst
das Händchen raus.
Sehr merkwürdig.
Ich wollte es noch zurückdrücken,
aber der Doktor hat es schon gesehen.
Ist das nicht komisch?
Fantastisch.
Und auf die Schule ging es auch
nicht so gut.
Wir sind in den älteren Beirat gegangen,
habe fünfen zu vieren geredet,
wirklich wahnsinnig demokratisch.
So gut.
Und dann, liebe Hermine, mein Mann,
ich habe ihn getroffen auf dem Domplatz
von Utrecht in Holland,
habe mir ein Bonbonpapier auf die Wange geschlagen,
unheimlich originell,
so originell.
Und sie hatte wirklich die richtige Länge
und wahnsinnige große Ratzeburger Achterruder
hände. Fantastisch.
Ich habe ihn direkt mit nach Hause genommen.
Ich wohnte fantastisch möbliert,
wirklich alles griffbereit und
ich habe mich nehmen lassen.
So herrlich!
Ich wurde also
schwanger wie ein Kaninchen
und ich habe ihn also
an seine Pflichte erinnert.
Logisch, was? Wir haben die Familie zusammen geholt,
wir haben alles beredet,
wirklich fantastisch.
Ja, als ich ihn damals so stehen sah,
auf dem Domplatz bei dem Bild,
was so rührend war,
der fantastische Glanz in seinen Augen.
Der sagte, dass alles möglich
ist in diesem Leben.
Sowas Positives strahlte der Kerl aus,
aber nach der Nacht war der
Glanz mit einem Schlag weg.
Ich habe wirklich 27 Jahre alles durchprobiert,
um wieder den Glanz zu kriegen. Aber es ging nicht. So ein Jammer.
Letzte Woche kriegen wir einen Brief
von unserem Ältesten,
der mit dem Choco -Kind zugegangen
ist.
Und der schrieb,
dass er Vater geworden ist.
Und im Moment, in dem mein Mann liest,
dass er Großvater geworden ist,
war auf einmal der Glanz wieder da.
Ist das nicht herrlich?
Ist das nicht unglaublich?
Ist das nicht dankbar,
kurz vorm Sterben,
bevor wir ins Altersheim hin abtauchen,
mit dem Blick aufs kurze Grün?
Also bis bald, Hermene,
ich bin eine unheimlich glückliche Frau.